3. Oktober 2007

Shoppen


Es ist mein erster Besuch einer Parfümerie, deswegen bin ich froh, dass Silke mir auf dem Weg dorthin begegnet und spontan beschließt mich zu begleiten.


Die Verkäuferin fragt, ob ich eher würzige Düfte mag oder frische. Ich sage würzige. Sie stellt mir Be Delicious von DKNY vor. Es gefällt mir. Dann zeigt sie mir RSVP, einen neuen Duft von Kenneth Cole, wie sie sagt, und sehr exklusiv. Der gefällt mir besser. Riecht nach Rotweintrinken im Ledersessel. Silke stellt mir ihr eigenes Parfüm und das von Camilla vor. Ihrs ist mir zu fruchtig. Das von Camilla, Emporio Armani, gibt es auch als Herrenduft und ich probiere: kräftig aber nicht zu aufdringlich, also gut. Auf Ratschlag der Verkäuferin sprühe ich mir auf's Handgelenk. Auch Silke mag diesen Duft. Ich sage, dass man unterschiedliche Parfüms für unterschiedliche Situationen braucht. Eins für abends gemütlich und Silke sagt: "Emporio Armani ist dann für's Frauen aufreißen." Ich schaue weiter.

Das Spitzenprodukt meines ehemaligen Arbeitgebers war Dolce & Gabbana. Ich probiere und es gefällt mir sofort. Wahrscheinlich auch weil ich es kenne. Zurück zu Be Delicious. Ein Spritzer kommt gegenüber von Dolce auf den Handrücken. Auf die andere Hand gegenüber von RSVP kommt Baldessarini Ambré. Es riecht gut, aber weder so lecker wie Dolce noch so edel und holzig wie RSVP. Emporio zum Vergleich – aber wohin? Ich sprühe auf eine Stelle, wo schon etwas anderes ist, ich weiß nicht mehr was. Meine Nase ist betäubt. Ich rieche nur noch Brei und mir wird schwindelig - liegt wohl nicht nur an den Parfüms sondern auch am Alkohol, deren Bindemittel.

Ich sprühe zum Abschluss 4711 in die Luft und finde, dass es gar nicht so scheiße riecht, wie ich dachte. Es riecht auch fast nicht nach Oma. Silke zeigt mir Chanel No. 5 und ich unterdrücke ein Würgen. Wir gehen nach draußen und verabschieden uns. Ich beschließe mir in der Uni die Arme zu waschen und dann mit erholter Nase zum nächsten Douglas zu gehen, um endlich den Duft meines Lebens zu finden.

In den Semesterferien braucht man einen Schlüssel, um im Englischen Seminar die Toilette zu benutzen. Ich hole den Schlüssel von der Bibliotheksaufsicht und schließe die Gittertür vor der Kellertreppe auf. An den Schließfächern steht eine Kommilitonin und schaut herüber. Ich frage, ob sie auf Klo muss. Sie sagt ja. Ich gehe nach unten und lasse die Gittertür auf. Als ich vor dem Pissoir stehe und der Druck langsam nachlässt, steht sie auf einmal in der Tür. Sie geht nicht raus sondern schaut auf meinen Schwanz. Ich schaue sie an. Sie geht immer noch nicht. Dann sagt sie: "Ich dachte hier wär für Mädchen." Sie hat große Brüste und ich bin nicht in der Lage etwas schlaues zu sagen wie: "Wonach sieht es denn aus?" Ich sage nur: "Nein." Sie geht.

In der Axe-Werbung meiner Pubertät – "Der Duft der Frauen provoziert" – wurde ein Mann in einer Telefonzelle zum Sex gezwungen. Das passiert mir nicht. Ich bin auch viel zu benommen von dem Alkohol und dem Geruch auf meiner Haut, um mehr zu tun als rudimentär mit den Augen zu flirten, als sie mir oben an der Gittertür wieder begegnet. Nicht dass ihr das jetzt peinlich wäre: Sie schaut mich an und lächelt.

Welches Parfüm war das jetzt: Emporio oder Dolce? Ich gehe zum nächsten Douglas. Dieser Laden ist größer. Es macht einen Unterschied ob man alleine oder mit einer Frau in eine Parfümerie geht. Die neue Bedienung hält sich viel weniger mit Ratschlägen zurück.

Ich drösele mir DKNY auf den Arm. Es riecht schlechter als zuvor. Vielleicht verträgt es sich nicht mit dem Dolce-Rest, der auch nach dem Waschen auf meinem Arm verblieben ist. Auf die andere Seite des Armes kommt RSVP, auf den anderen Arm Ambré und ein neuer Spritzer Dolce.

Emporio findet weder Platz auf meinem Arm noch in meiner Nase. Also tötet Dolce Emporio, auch wenn Emporio der bessere Womanizer sein sollte. Vielleicht ist Dolce auch eher was für Vorstellungsgespräche. Es riecht dynamisch und frisch ohne in die gefährliche Ecke der "jungen" und "sportlichen" Düfte zu rutschen. RSVP für abends gemütlich und alleine, Emporio fürs Ausgehen, Dolce für Bewerbungsgespräche, aber wofür dann Ambré? Ich bin schon wieder benommen.

Ich sage: "Ich suche noch einen Duft für meine Freundin zu Weihnachten. Sie hatte vorher das rote Puma. Haben Sie davon ausgehend was anderes?" Sie zeigt mir Puma I'm Going. Ich sage: "Was für ein bescheuerter Name!" und lache. Ich sage nicht, dass ich vor zwei Wochen 16 Europaletten Puma I'm Going produziert habe. Es ist viel zu süß. Ich frage, ob sie auch was herberes hat. Sie zeigt mir Obsession for Women und ich finde es große klasse. Ich frage: "Gab es das zuerst für Männer oder Frauen? Die Werbung war mit Kate Moss, oder? Fand ich toll." Was rede ich? Obsession ist auf jeden Fal mein Favorit des Tages bei Damenparfüms.

Neben meiner Freundin erfinde ich auch einen schwulen Freund, der sich ebenfalls Parfüm vom Weihnachtsmann gewünscht hat. Mal sehen, was sie mir vorstellt? Sie sprüht ein penetrant süßes Zeug in die Luft und ich sage igitt. Dann zeigt sie mir Fleur du Mâle von Jean Paul Gaultier. Es riecht fantastisch. Ein Spritzer - wohin? An meinen Hals. Das kommt in die engere Wahl zu Dolce, RSVP und Emporio.

Weder meine Nase noch mein dröhnender Kopf wollen sich heute entscheiden, ein anderes Mal dann. Ich stehe wieder auf der Straße. Wo ist mein Fahrrad? Ich finde es vor dem anderen Douglas. Ein Auto bremst scharf unterwegs, Gott sei Dank.

1 Kommentar:

Die Aushilfe hat gesagt…

Die Entscheidung ist gefallen. Dolce & Gabbana fürs Ausgehen, Fleur du Mâle für entspannende Momente zu Hause